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0+255

Gruppenausstellung 2019

Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Installation, Skulptur, Fotografie, Video

Meinblau Projektraum
Christinenstrasse 18/19

10119 Berlin

01.03.2019  – 17.03.2019

Öffnungszeiten:

Do bis So 14 – 19 h

Termine
28.02. – Eröffnung | 19 – 22 h
28.02. – Performance Karen Linnenkohl
17.03. – Finissage | 16 – 19 h

Die Gruppenausstellung
0+255
 wird von Andrea van Reimersdahl mit der Idee kuratiert Positionen Berliner Künstler zusammenzufassen, die sich in Ihrer Arbeitsweise auf den Gebrauch der Farben Schwarz und Weiß beschränken. Der Titel der Ausstellung verweist dabei auf einen digitalen Farbraum, der schon lange für die Kunstproduktion und unseren Alltag selbstverständlich ist. Künstler können seit alters her ihre Sichtweise verändern und die Welt von der Farbe abstrahieren. 0+255 soll in diesem Sinne abstrakte und gegenständliche Positionen zeigen, die sich auf unbunte Abstufungen begrenzen um dadurch eine prägnante und entschlossene Aussage zu machen. 10 Künstler mit inhaltlich unterschiedlichen Schwerpunkten zeigen ihre Arbeiten in extremer Gegensätzlichkeit. Dabei übernimmt das Grau eine Vermittlerrolle. Die Ansätze der Positionen sind ästhetisch, formal, konzeptuell, diskursiv oder intuitiv.

 

In einem übergeordneten Sinne reflektiert die Gegenüberstellung starker Kontraste aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen. Extreme Positionen stehen sich gegenüber und Grauzonen scheinen sukzessive verdrängt zu werden. Das Ziel der Ausstellung ist, aktuelle Wege der schwarz-weißen Kunst aufzuzeigen und den Betrachter einzuladen seine eigene Wahrnehmung neu zu überdenken.

 

Die Ausstellung wird gefördert durch das Bezirksamt Pankow von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur, FB Kunst und Kultur, der Hans und Charlotte Krull Stiftung und durch die Botschaft des Großherzogtums Luxemburg in Deutschland.

0+255

 

Gruppenausstellung 2019

Meinblau Projektraum

Christinenstrasse 18/19,

10119 Berlin

01.03.2019  – 17.03.2019

Do bis So 14 – 19 h

Termine

28.02. – Eröffnung | 19 – 22 h
28.02. – Performance Karen Linnenkohl
17.03. – Finissage | 16 – 19 h

Konzept

Die Gruppenausstellung 0+255 wird von Andrea van Reimersdahl mit der Idee kuratiert Positionen Berliner Künstler zusammenzufassen, die sich programmatisch auf die Verwendung von Schwarz, Weiß und ihre unbunten Abstufungen fokussieren.

 

Die Ausstellung wird gefördert durch das Bezirksamt Pankow von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur, FB Kunst und Kultur, die Hans und Charlotte Krull Stiftung und durch die Botschaft des Großherzogtums Luxemburg in Deutschland.

 

0+255

Der Ausstellungstitel nimmt eine Zahlenchiffre für die Farben Schwarz und Weiß aus der RGB-Farbpalette auf, in der jede von vielen Millionen Farbtönen mit einer eigenen Nummer versehen ist. Die digitalen Farbnuancen, mit denen unsere Wahrnehmung beim täglichen Blick auf Bildschirme von Smartphones und Computern konfrontiert ist und die sich durch einen Mausklick oder eine Fingerwisch nach Belieben verändern und manipulieren lassen, sind schier grenzenlos. Einen Kontrapunkt zu der Farbfülle und -intensität der omnipräsenten Bilder setzten künstlerische Positionen, denen die dezidierte Farbreduktion eigen ist. Zwischen den Gegenpolen Schwarz und Weiß entfaltet sich das künstlerische Spannungsfeld, in dem die Palette der Grauschattierungen ausgelotet wird.

Der Verzicht auf Farbe spielte in der Kunstgeschichte von Beginn an immer wieder eine zentrale Rolle, wie bereits der römische Schriftsteller Plinius d.Ä. schreibt. Laut ihm geht die Malerei aus einem monochromen Bild hervor, einem Schattenumriss, den eine junge Frau aus Korinth bei der Verabschiedung von ihrem Geliebten zeichnet, um seine Silhouette für immer festzuhalten.

Eine Intensivierung der differenzierten Behandlung von Licht und Schatten geschah in der Grisaille-Technik der mittelalterlichen Malerei, die einen zurückhaltenden, spirituellen Gegenentwurf zur polychromen Profanität darstellte. In der raffinierten Licht- und Schattenwirkung vermittelte sich die Kunstfertigkeit, durch subtile Abstufungen, einen Tiefenraum zu suggerieren und Figuren größere Plastizität zu verleihen, so dass diese bisweilen als Imitationen von Skulptur galten. Ein wechselseitiges Zusammenspiel mit anderen Kunstgattungen ist der monochromen Gestaltungsweise seit jeher inhärent, als beliebte Technik zur Nachahmung von Bildhauerei, Druckgraphik, Fotografie und Film und ferner als ideale Inspirationsquelle für Vorstudien, die den Entstehungsprozess von Skulpturen, Gemälden und Graphiken begleiten.

In den Bildwelten des Chiaroscuro, der Renaissance- und Barockmalerei führt die betonte monochrome Kontrastierung neben einer akzentuierten Modellierung der Formen zu einer elaborierten Lichtdramaturgie, die eine dramatischen Aufladung und Zuspitzung der Aussage eines Bildsujets bewirkt.

Ausgehend von der Schwarzweißfotografie, die bis in die 1960er Jahre als schöngeistige und ernsthafte Antagonistin zu der im Dienste der Werbung stehenden kommerziellen Farbfotografie galt, steht monochrome Malerei bis heute für das Wesentliche und Intellektuelle. Der Verzicht auf Farbe verschiebt die Aufmerksamkeit auf die subtilen Übergänge der Tonwerte, Grauschattierungen und Texturen, deren Wirkung insbesondere in der abstrakten Kunst neue Sinngehalte erschließt. In der Faszination für Monochromie zeigt sich ein unablässiges künstlerisches Interesse, die Sehgewohnheiten unserer farbaffinen Wahrnehmung zu hinterfragen.

Die Herauslösung des gegensätzlichen Paares Schwarz und Weiß intendiert eine Linie von den künstlerischen Wirklichkeiten zu dem turbulenten Puls unserer Gegenwart, in der die gesellschaftlichen und politischen Diskurse von polarisierenden Tendenzen beeinflusst sind, die Zwischentöne hingegen unterzugehen zu scheinen, vergleichbar mit Grauwerten, die bei zunehmendem Kontrast in den Hintergrund treten.

 

Text zur Ausstellung von Natalia Raaben, Februar 2019

0+255 Gruppenausstellung, Austellungsansicht, Meinblau Projektraum, 2019
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